Tristesse statt Volksfest in Oberstdorf


Roman Spirig
Sport / 24.02.21 13:21

Das erhoffte Volksfest im deutschen Bergstädtchen Oberstdorf wird in den nächsten zehn Tagen ausbleiben. An die bisherigen Austragungen hat aber eine Schweizerin sehr gute Erinnerungen.

Tristesse statt Volksfest in Oberstdorf (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)
Tristesse statt Volksfest in Oberstdorf (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)

Das hatten sich die Organisatoren anders vorgestellt, als sie vor fünf Jahren den Zuschlag für die Ski-WM 2021 der Nordischen erhielten. Die Strassen des Städtchens mit knapp 10000 Einwohnern, die südlichste Gemeinde Deutschlands, sind praktisch leer, die Läden geschlossen, die Restaurants zu. Zum dritten Mal nach 1987 und 2005 finden im Allgäu Weltmeisterschaften statt, anstelle von 350000 skibegeisterten Fans wie vor 16 Jahren werden die Wettkämpfe vor fast leeren Tribünen ablaufen. Einzig Pappkameraden und Tonbandeinspielungen sollen für so etwas wie Stimmung sorgen.

Zur Katerstimmung passt der fehlende Winter. Die Temperaturen bewegen sich auf gut 800 Metern deutlich im zweistelligen Bereich, der ursprünglich reichlich vorhandene Schnee schmilzt in der Frühlingssonne rapide weg. Bereits mussten die Verantwortlichen reagieren und die Sprint-Wettkämpfe vom Donnerstag, mit denen die WM eröffnet wird, vom Mittag in die Morgenstunden verlegen, um faire Bedingungen zu gewährleisten.

Finanziell sollten die fehlenden Zuschauer kein Loch in die Kasse reissen, denn es besteht eine Pandemie-Versicherung. Trotzdem ist das Verdikt bitter: Viermal hatte sich Oberstdorf zuletzt für eine WM beworben, ehe es den Zuschlag erhielt. Die letzten drei Male - und wohl auch in zwei Jahren - wären die Voraussetzungen besser gewesen. Nun hoffen sie in Oberbayern, allenfalls 2027 nochmals in die Kränze zu kommen.

Dass in Zeiten der Pandemie und angesichts eines in Deutschland wesentlich strengeren Lockdowns als in der Schweiz überhaupt ein solcher Grossanlass stattfindet, sorgt im Ort auch für kritische Stimmen. Diese WM passt nicht in diese Zeit, wetterte der Hotelier Jürnjakob Reisigl gegenüber der Allgäuer Zeitung. Das ist doch pervers, wenn alles stillsteht und wir hier ein Fest des Sports feiern wollen.

1987 und 2005 war das natürlich ganz anders. Besonders gute Erinnerungen an 1987 hat Evi Kratzer. Die damals 26-jährige Engadinerin holte über 5 km klassisch die Bronzemedaille. Es ist bis heute die einzige WM-Medaille einer Schweizer Langläuferin.

(sda)


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