Protest gegen Bericht - Ukrainische Amnesty-Leiterin tritt zurück


News Redaktion
International / 06.08.22 16:13

Als Reaktion auf einen umstrittenen Bericht zur Kriegsführung der ukrainischen Armee ist die Leiterin der ukrainischen Filiale der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zurückgetreten. "Wenn Sie nicht in einem Land leben, in das Besatzer einfallen, die es in Stücke reissen, verstehen Sie wahrscheinlich nicht, wie es ist, eine Armee von Verteidigern zu verurteilen", schrieb Oxanna Pokaltschuk in der Nacht zu Samstag auf Facebook. "Mit dem Ziel, Zivilisten zu schützen, ist diese Studie stattdessen zu einem Werkzeug der russischen Propaganda geworden."

FILED - The logo of the human rights organization Amnesty International is pictured in Berlin. Photo: Sebastian Kahnert/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Sebastian Kahnert)
FILED - The logo of the human rights organization Amnesty International is pictured in Berlin. Photo: Sebastian Kahnert/dpa (FOTO: Keystone/dpa/Sebastian Kahnert)

Amnesty hatte in einem am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Bericht der ukrainischen Armee unter anderem vorgeworfen, sich in Wohnvierteln zu verschanzen und damit Zivilisten unnötig in Gefahr zu bringen. Pokaltschuk hielt ihren ehemaligen Kollegen nun vor, der Bericht sei nicht sauber genug aufbereitet. In Kiew wird ausserdem kritisiert, durch den Fokus auf Verfehlungen der Armee des angegriffenen Landes werde eine Täter-Opfer-Verkehrung betrieben. Amnestys Generalsekretärin Agnès Callamard nannte Pokaltschuks Rücktritt bedauerlich. Sie respektiere die Entscheidung aber.

Die Organisation verteidigte ihren Bericht auf Nachfrage der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. "Wenn wir Verstösse der Ukraine gegen das internationale humanitäre Völkerrecht feststellen, wie wir es in dem Fall getan haben, werden wir darüber ehrlich und genau berichten", heisst es demnach in einer Stellungnahme. In Russlands Staatsmedien, die mutmassliche Verbrechen durch russische Soldaten in der Ukraine kaum kritisch thematisieren, war über den Amnesty-Bericht ausführlich berichtet worden.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Weit über 100 Tote nach Massenpanik in Indonesien
Sport

Weit über 100 Tote nach Massenpanik in Indonesien

Bei schweren Ausschreitungen im Anschluss an ein Fussball-Spiel in der indonesischen Provinz Ost-Java sind laut Behördenangaben mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen.

Studie: Elektro-Lastwagen 2035 klar Marktführer
Wirtschaft

Studie: Elektro-Lastwagen 2035 klar Marktführer

Elektro-Lastwagen dürften nach einer Studie der Unternehmensberatung PwC in einem Jahrzehnt den Markt beherrschen. Schon 2030 seien E-Lastwagen bei den Gesamtkosten etwa 30 Prozent günstiger als Diesel-Lkw.

Ambri kontert den Meister eiskalt aus
Sport

Ambri kontert den Meister eiskalt aus

Ambri-Piotta sorgt mit einem 5:4-Auswärtssieg beim Meister Zug für ein kräftiges Ausrufezeichen. Michael Spacek und Dario Bürgler brillieren als Doppel-Torschützen.

Iga Swiatek nicht beim Finalturnier in Glasgow
Sport

Iga Swiatek nicht beim Finalturnier in Glasgow

Polen muss beim Finalturnier des Billie Jean King Cups in Glasgow ohne Iga Swiatek auskommen. Die Weltranglisten-Erste verzichtet wegen des aus ihrer Sicht zu gedrängten Programms am Ende der Saison.