Papst besucht Roma in slowakischer Plattenbausiedlung


Roman Spirig
International / 14.09.21 13:45

Papst Franziskus trifft am dritten Tag seiner Slowakei-Reise am Dienstag in der Stadt Kosice (Kaschau) Menschen der Roma-Volksgruppe.

Papst besucht Roma in slowakischer Plattenbausiedlung (Foto: KEYSTONE / AP / Petr David Josek)
Papst besucht Roma in slowakischer Plattenbausiedlung (Foto: KEYSTONE / AP / Petr David Josek)

In der Plattenbausiedlung Lunik IX, einem sozialen Brennpunkt, leben zwischen 5000 und 6000 Angehörige der ethnischen Minderheit. Es dürfte am Ende eine der wichtigsten Stationen der Reise des 84-Jährigen sein. Der Termin passt in die Agenda des Oberhaupts der katholischen Kirche: An die Ränder der Gesellschaft gehen, Bedürftige treffen, sich für Menschen einsetzen, denen es schlecht geht.

In der slowakischen Mehrheitsbevölkerung ist das nach einer Mondrakete benannte Viertel Lunik IX bekannt für desolate Wohnverhältnisse, Schmutz und soziale Not sowie die Abhängigkeit der meisten Bewohner von staatlichen Sozialleistungen. Die Häuser sind heruntergekommen, viele Familien leben auf engstem Raum. Dass sich Franziskus diesen Teil Kosices ansehen will, erstaunte viele.

Die Menschen dort hätten nicht immer Zugang zu fliessendem Wasser, und Strom komme auch schon mal aus dem Generator, sagt der Sprecher des katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis, Thomas Schumann. Anlässlich des Papstbesuches sei dort ein Graffiti gemalt worden, das ihn willkommen heisse - mit einem Schreibfehler. Aus Schumanns Sicht gebe es Hoffnung, dass der Papst mit seiner Reise auch Anstösse für bessere Bildungschancen gebe.

Die Siedlung war einst ein Arbeiterviertel. Später wurden die Roma dort angesiedelt. Die katholische Kirche sei dort über die Ordensleute der Salesianer Don Boscos tätig. Der Papst-Besuch dort sei auch ein Weckruf für die slowakische Amtskirche, sagt der frühere Parlamentspräsident und Symbolfigur der katholischen Slowakei, Frantisek Miklosko. Der Erzbischof von Bratislava würde sich nach seiner Einschätzung kaum freiwillig dort hinbegeben.

Dass der Papst ausgerechnet Lunik IX besuchen will, erschreckt aber auch viele Politiker des Landes. Sie stritten öffentlich darüber, wer daran schuld sei, dass dieser Schandfleck überhaupt ins Reiseprogramm aufgenommen wurde.

Vor der Fahrt nach Lunik IX will Franziskus im ostslowakischen Presov (Eperies) einen Gottesdienst mitfeiern. Am Abend steht noch eine Begegnung mit Jugendlichen im Fussballstadion des FC VSS Kosice an. Junge Menschen schliesst der 84 Jahre alte Argentinier regelmässig in seine Gebete mit ein.

(sda)


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