Munitionslager Mitholz: VBS startet Verfahren für erste Arbeiten


News Redaktion
Schweiz / 23.09.21 22:00

In Mitholz BE will der Bund im kommenden Jahr mit ersten baulichen Massnahmen die Räumung des Armee-Munitionslagers vorbereiten, das 1947 teilweise in die Luft flog. Noch in diesem Monat startet er ein militärische Baubewilligungsverfahren.

Mit dem nun startenden Verfahren will das VBS unter anderem erreichen, dass es den Wald über dem 1947 entstandenen Schuttkegel (Bildmitte) roden darf. (FOTO: KEYSTONE/ADRIAN REUSSER)
Mit dem nun startenden Verfahren will das VBS unter anderem erreichen, dass es den Wald über dem 1947 entstandenen Schuttkegel (Bildmitte) roden darf. (FOTO: KEYSTONE/ADRIAN REUSSER)

Am Donnerstagabend informierte das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Mitholz die Bevölkerung. Wie es zuvor in Bern vor den Medien bekanntgab, sollen die Massnahmen generell das Explosionsrisiko senken und die Haupträumung vorbereiten.

Sichtbarster Teil der Arbeiten wird sein, dass vor dem felsigen Hügel, in dem sich das frühere Munitionslager befindet, Wald gerodet wird. Das ist die Voraussetzung dafür, dass ab Mitte 2024 der 1947 entstandene Schuttkegel und der vorderste Teil der Felskuppe beseitigt werden kann.

Schutt und Fels müssen weg, weil sich unter ihnen der Bahnstollen befindet, in dem bis 1947 Munition ins Lager gebracht wurde. Das VBS will diesen verschütteten Stollen aus geologischen Gründen und aus Gründen der Arbeitssicherheit freilegen.

Im Innern der Anlage will das VBS ein Hochdrucktor und einen Hochdruckpfropfen einbauen. Diese sollen verhindern, dass bei einer Explosion der Druck nach aussen entweicht und wie 1947 Tod und Verwüstung verbreitet.

Das VBS geht davon aus, dass sich der Druck weitgehend im Innern abbauen kann, wenn in der Anlage beispielsweise Trennwände und andere Elemente ausgebaut werden. Auch für diese Arbeiten ersucht das VBS mit dem Gesuch um Bewilligung.

Weiter will das VBS im Bahnstollen nicht explodierte Munition mit einer Art Schutzkissen vor allenfalls herunterfallenden Felsblöcken schützen. Zudem werden Hohlräume im Fels mit losem Füllmaterial temporär verfüllt.

Ab Anfang 2022 will das VBS mit den Rodungen beginnen und zwischen Anfang 2022 und 2024 mit den anderen Arbeiten. Das militärische Baubewilligungsverfahren ist laut VBS vergleichbar mit einem zivilen Verfahren. Die Pläne werden öffentlich aufgelegt.

Neun Menschen starben, als Teile der Anlage vor bald 75 Jahren in die Luft flogen. 2018 kamen Experten zum Schluss, die vom Lager ausgehende Gefahr sei grösser als zuvor angenommen. Ende 2020 beschloss der Bundesrat, das Lager zu räumen. Die eigentlichen Räumungsarbeiten beginnen ab 2030.

Während rund zehn Jahren müssen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz ab 2030 ihre Häuser aus Sicherheitsgründen verlassen. Erste Mitholzer werden aber bereits ab 2025 gehen müssen, wie seit Längerem bekannt ist. Dies, weil ab 2026 die Nationalstrasse und die Bahnlinie in Richtung Wallis besser geschützt werden sollen.

Im zweiten Quartal des kommenden Jahres werden die Mitholzerinnen und Mitholzer definitiv erfahren, ob ihre Gebäude zu jener Zone gehören, in welcher die Evakuation zwingend ist: Dann startet ein Mitwirkungsverfahren zum Sachplan-Objektblatt Mitholz. Der Bundesrat wird über die Genehmigung des Objektblatts entscheiden.

Das VBS erneuerte am Donnerstag sein Versprechen, diejenigen Personen, welche ihre Häuser verlassen müssen, fair zu entschädigen. Der Hauseigentümerverein (HEV) habe den laufenden Prozess der Liegenschaftsbewertungen überprüft und für korrekt befunden. Bis Ende Jahr sind die Bewertungen abgeschlossen.

Auch werde die Hilfe für die Betroffenen ab 1. Oktober ausgeweitet. Unterstützung in Aussicht stellt das VBS beispielsweise auch bei Fragen zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Der Verantwortliche sagte, bisher bestehe in Mitholz noch eine zu hohe Hemmschwelle. Die Leute nutzten die bestehenden Angebote zu wenig.

(sda)


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