Ein Streit sorgt für Unruhe bei den Bayern vor dem Spiel in Paris


Roman Spirig
Sport / 13.04.21 12:00

Bayern München muss im Viertelfinal der Champions League bei Paris Saint-Germain am Dienstag das 2:3 aus dem Hinspiel wettmachen. Die Vorbereitung auf das Spiel wird durch interne Querelen erschwert.

Ein Streit sorgt für Unruhe bei den Bayern vor dem Spiel in Paris (Foto: KEYSTONE / DPA-POOL / SVEN HOPPE)
Ein Streit sorgt für Unruhe bei den Bayern vor dem Spiel in Paris (Foto: KEYSTONE / DPA-POOL / SVEN HOPPE)

Der FC Bayern München schafft derzeit im Alleingang, was seinen Gegnern in den letzten Monaten kaum mal gelungen ist: Er bringt sich aus dem Konzept. Seit Tagen ist der Streit zwischen Trainer Hansi Flick und Sportchef Hasan Salihamidzic das vorherrschende Gesprächsthema rund um den Champions-League-Sieger. Es geht dabei um die Transferpolitik, die Salihamidzic vorgibt und Flick missfällt, aber auch um Wertschätzung, die sie sich gegenseitig nicht gönnen. So soll sich Salihamidzic wünschen, dass seine jüngsten Verpflichtungen öfter spielen, während Flick moniert, seinen Wünschen würde zu wenig Beachtung geschenkt.

Hinter den Kulissen fielen zwischen den beiden Streithähnen böse Worte. Halt endlich mal das Maul, soll Flick seinem internen Kontrahenten im Teambus Ende März an den Kopf geworfen haben. Seither gab es von Seiten des Trainers immer wieder auch öffentlich Kritik am Sportchef. In den letzten Tagen bestand die von oben und speziell von CEO Karl-Heinz Rummenigge beorderte Versöhnung darin, dass sich Flick und Salihamidzic nicht mehr zum Thema äussern.

Andere tun es sehr wohl, wie etwa die Bayern-Experten Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus, die sich für den Trainer aussprechen, der als erster Kandidat für die Nachfolge von Joachim Löw als deutscher Nationaltrainer gilt, was der ganzen Affäre eine zusätzliche Brisanz gibt.

Die Kakophonie rund um den Klub dürfte mindestens so störend sein wie der Kern des Problems. Die Nebengeräusche sind nicht schön, meinte Goalie Manuel Neuer. Thomas Müller ergänzte: Ein bisschen mehr Ruhe drumherum wäre auf jeden Fall gut für uns. Es geht in den nächsten Wochen schliesslich ums Ganze, in der Meisterschaft, in welcher der Vorsprung der Bayern nach dem 1:1 gegen Union Berlin gegenüber Leipzig noch fünf Punkte beträgt, und natürlich in der Champions League.

Dass die Nebengeräusche am Dienstagabend in Paris zum entscheidenden Handicap werden, davon geht niemand bei den Münchnern aus. Der Optimismus ist trotz der Niederlage im Hinspiel und den Unannehmlichkeiten in letzter Zeit, zu denen auch die Ausfälle von Robert Lewandowski und Serge Gnabry zählen, gross. Es stehe seinem Team eine schwierige Aufgabe bevor, meinte Flick und hielt fest: Für solche Aufgaben ist man bei Bayern München.

Während die Münchner im Sturm die wichtigsten Ausfälle beklagen, ist es bei Paris Saint-Germain die Defensive, die Sorge bereitet. Die ohnehin schon dezimierte Abwehr muss wohl ohne Captain und Abwehrchef Marquinhos auskommen, der im Hinspiel mit einer Leistenverletzung ausgefallen ist. Ein Fragezeichen steht hinter den Einsätzen der Italiener Marco Verratti und Alessandro Florenzi, die zuletzt wegen positiver Corona-Tests fehlten. Beide sind speziell im Konterspiel wichtige Faktoren.

Der wichtigste Spieler aus dem Match von vor einer Woche ist am Dienstagabend dabei: Goalie Keylor Navas wurde am Wochenende in der Meisterschaft gegen Strasbourg (4:1) zwar zur Pause ausgewechselt, was aber nur eine Vorsichtsmassnahme gewesen sei, versicherte Trainer Mauricio Pochettino. Auch im Rückspiel dürfte der Costa-Ricaner oft im Mittelpunkt stehen. Bayern München muss in Paris mindestens zwei Tore schiessen, um in die Halbfinals zu kommen - und auch abseits des Platzes für etwas Ruhe zu sorgen.

(sda)


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