Brasiliens Präsident Bolsonaro ruft zu Rückkehr zur Normalität auf


News Redaktion
International / 25.03.20 04:14

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus erneut verharmlost und die Ausgangsbeschränkungen kritisiert. Er beschuldigte in einer Fernsehansprache die Medien, ein Gefühl der Angst zu verbreiten und forderte dazu auf, zur Normalität zurückzukehren.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat in einer TV-Ansprache das Coronavirus verharmlost und zur Rückkehr zur Normalität aufgefordert. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Andre Borges)
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat in einer TV-Ansprache das Coronavirus verharmlost und zur Rückkehr zur Normalität aufgefordert. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Andre Borges)

Wenn ich mich mit dem Virus infiziere, bekomme ich nur eine gripezinha (kleine Grippe) oder ein resfriadinho (kleine Erkältung), sagte der Präsident, während Tausende Brasilianer in mehr als einem Dutzend Städten erneut protestierten.

Es war der achte Tag in Folge der sogenannten panelaços, bei denen die Menschen auf Töpfe und Pfannen schlugen. Auch Lügner und Bolsonaro raus -Rufe wurden aus den offenen Fenstern laut.

Der Unmut hatte sich vor knapp einer Woche an dem aus der Sicht der Demonstrierenden laxen und widersprüchlichen Umgang des Präsidenten mit dem Coronavirus entzündet. Aus Bolsonaros Delegation in die USA waren mindestens 23 Mitglieder positiv getestet worden.

Während Bolsonaro die Covid-19-Pandemie herunterspielt, haben einzelne Bundesstaaten und Städte restriktive Massnahmen umgesetzt. So verhängte der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, der mehr als 40 Millionen Einwohner hat, am Samstag als erster weitgehende Ausgangsbeschränkungen.

Rio de Janeiro hat sich innerhalb einer Woche weitgehend isoliert, Schulen und Geschäfte geschlossen, Verkehr zu Land und zu Luft unterbrochen, die Bewohner dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Die Risikogruppe sind Personen über 60 Jahre. Wozu Schulen schliessen?, sagte Bolsonaro.

Wie oft in Lateinamerika, wenn die Institutionen nicht funktionieren, ist die Solidarität unter den Menschen jedoch gross. Vielen schränken sich freiwillig ein. Die Zahl der Infizierten in Brasilien hat zuletzt 2000 überschritten, 46 Menschen sind bislang gestorben.

(sda)


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