Autistische Jugendliche in Genfer Heim misshandelt


News Redaktion
Schweiz / 28.01.22 12:25

In einem Schulheim für autistische Jugendliche im Kanton Genf soll es in den vergangenen Jahren zu Misshandlungen von Heimbewohnern durch Betreuer gekommen sein. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet und Strafanzeige eingereicht.

Die Genfer Erziehungsdirektorin Anne Emery-Torracinta (SP) spricht von einem Versagen der Behörden. (Archivbild) (FOTO: Keystone/SALVATORE DI NOLFI)
Die Genfer Erziehungsdirektorin Anne Emery-Torracinta (SP) spricht von einem Versagen der Behörden. (Archivbild) (FOTO: Keystone/SALVATORE DI NOLFI)

Die Ergebnisse einer externen Untersuchung werden für Ende Februar erwartet. Den Fall aufgedeckt hatten die Zeitung Le Temps und das Online-Nachrichtenportal Heidi.news. Sie berichteten wiederholt über Misshandlungen von Bewohnern des Heims Mancy in Collonge-Bellerive GE durch bestimmte Mitarbeitende.

Die Vorwürfe gegen die Betreuer des Heims wiegen schwer: Kinder und Jugendliche seien eingesperrt, auf den Boden geworfen, in ihren Exkrementen zurückgelassen oder an ihren Kleidern von einem Raum in den anderen geschleppt worden sein. Auch sei Heimbewohnern wiederholt das Essen vorenthalten worden.

Eine erste Prüfung der Führung des Heims wurde im Frühjahr 2021 eingeleitet. Als Arbeitgeber mussten wir vor allem sicherstellen, dass die Mitarbeitenden in der Lage sind, ihren Auftrag zu erfüllen, sagte die Vorsteherin des Genfer Erziehungsdepartements Anne Emery-Torracinta (SP) in einem am Freitag in Le Temps veröffentlichten Interview.

Nach diesem ersten Bericht haben wir weiter Elemente gesammelt, und es stellte sich heraus, dass uns die Perspektive der betroffenen Familien fehlte, fügte die Staatsrätin hinzu. Daher wurde im Dezember letzten Jahres eine neue Untersuchung eingeleitet. Parallel dazu hat das Departement aufgrund von Elementen, die auf eine Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht hinzudeuten scheinen, eine Strafanzeige erstattet, erklärte Emery-Torracinta weiter.

Laut den Berichten von Le Temps und Heidi.news waren mehrere junge Bewohner des Heims in Mancy Misshandlungen ausgesetzt, die bereits 2019 zur Anzeige gebracht wurden. Der Fehler, den ich anfangs gemacht habe, war zu glauben, dass es sich dabei um den Fall eines bestimmten Kindes und nicht des Heims an sich handelte, sagt die Erziehungsdirektorin. Es sei rätselhaft, dass ihr diese Vorkommnisse nicht schon früher gemeldet worden seien.

Die Staatsrätin betont, dass das, was in Mancy passiert ist, inakzeptabel und unwürdig sei. Solche Taten hätten nie geschehen dürfen und wären nicht passiert, wenn diese Einrichtung nach den Regeln konzipiert worden wäre, mit einem institutionellen Projekt, einer angemessenen Ausbildung und den entsprechenden Mitteln, sagte Emery-Torracinta weiter. Das Erziehungsdepartement habe bei der Erfüllung seiner Aufgabe versagt.

Das im Juni 2018 in Collonge-Bellerive eröffnete Sonderschulheim Mancy bietet Platz für etwa zehn Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren, die an Autismus und anderen geistigen Einschränkungen leiden.

(sda)


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