Angeklagter Christchurch-Schütze plädiert auf schuldig


News Redaktion
International / 26.03.20 01:14

Ein gutes Jahr nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch hat sich der mutmassliche Attentäter überraschend für schuldig bekannt. Dies teilte die neuseeländische Polizei am Donnerstag mit.

Der angeklagte Christchurch-Attentäter hat sich laut Medienberichten vom Donnerstag plötzlich für schuldig bekannt. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Mark Mitchell)
Der angeklagte Christchurch-Attentäter hat sich laut Medienberichten vom Donnerstag plötzlich für schuldig bekannt. (Archivbild) (FOTO: KEYSTONE/AP/Mark Mitchell)

Der 29-jährige Angeklagte habe am Donnerstag vor dem Gericht in Christchurch die 51 Morde und 40 versuchten Morde zugegeben, hiess es. Zuvor hatte der australische Rassist noch stets erklärt, in allen Anklagepunkten unschuldig zu sein.

Am 15. März 2019 hatte der Täter in zwei Moscheen 51 Menschen getötet und dutzende Personen verletzt. Die Attacke übertrug er per Helmkamera live im Internet. Vor dem Blutbad hatte er eine Kampfschrift mit rassistischen Parolen ins Netz gestellt. Vorgeworfen wird ihm auch Terrorismus. Derzeit sitzt der Mann in einem Gefängnis in Auckland, mehr als 1000 Kilometer nördlich von Christchurch.

Der Termin vor dem Gericht am Donnerstag war spontan anberaumt worden. Der Angeklagte wurde per Video zugeschaltet. Nach Medienberichten wurden ihm die Namen aller 51 Getöteten vorgelesen, bevor er nach seiner Schuld gefragt wurde. Oh, ok, ja, schuldig, sagte er Berichten örtlicher Medien zufolge.

Der Mann soll bis 1. Mai 2020 in Untersuchungshaft genommen werden. Der niederländischen Polizei zufolge soll aber kein Urteil gesprochen werden, so lange nicht alle Überlebenden der Tragödie, die wollten, bei der Verhandlung dabei sein könnten. Dies werde aufgrund der Coronavirus-Pandemie längere Zeit nicht möglich sein.

Ein Grund für seinen Sinneswandel des Attentäters wurde nicht genannt. Das Schuldeingeständnis bedeutet, dass es nun keinen Prozess zu dem Anschlag auf die beiden Moscheen in Christchurch geben wird. Der Prozess hätte Anfang Juni beginnen sollen.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sagte am Donnerstag, den Überlebenden und Hinterbliebenen bringe das Schuldeingeständnis ein gewisses Mass an Erleichterung. Ihnen bleibe nun die Qual eines Prozesses erspart. Die Behörden hatten zudem befürchtet, dass der Täter den Prozess als Plattform missbrauchen könnte, um seine rassistische Weltanschauung weiter zu propagieren.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Luzern investiert wieder mehr in Prävention gegen häusliche Gewalt
Regional

Luzern investiert wieder mehr in Prävention gegen häusliche Gewalt

Der Luzerner Regierungsrat weicht bei der Prävention gegen die häusliche Gewalt von seinem rigiden Sparkurs ab. Die 2017 bei der Präventionsstelle vorgenommene Kürzung des Stellenetats von 50 auf 10 Prozent soll bis 2021 rückgängig gemacht werden.

Boeing setzt 787-
Wirtschaft

Boeing setzt 787-"Dreamliner"-Produktion in South Carolina aus

Der angeschlagene Luftfahrtriese Boeing stoppt aufgrund der Corona-Krise nun auch die Produktion seines Langstreckenjets 787 "Dreamliner". Der Betrieb im Werk in North Charleston werde daher bis auf Weiteres ausgesetzt.

Berset sieht keine rasche Lockerung der Coronavirus-Massnahmen
Schweiz

Berset sieht keine rasche Lockerung der Coronavirus-Massnahmen

Eine Lockerung der Coronavirus-Massnahmen auf den 20. April hält Gesundheitsminister Alain Berset für "illusorisch". Erst wenn die Zahl der Hospitalisierungen nicht mehr ansteige, könne man daran denken.

Lehmann will Nachfolger von FIS-Präsident Kasper werden
Sport

Lehmann will Nachfolger von FIS-Präsident Kasper werden

Urs Lehmann hat höhere Ambitionen. Der 51-jährige Aargauer, seit Juni 2008 an der Spitze von Swiss-Ski, will die Nachfolge von Gian Franco Kasper als FIS-Präsident antreten.